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Aufgeschrieben im März 2001 von Ida Bertram, geb. Strothe
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Osterwasser Meine Jungmädchenzeit (ab 1935) fiel in jene Epoche, als automatisch die „Deutsche Art“ heranwuchs, somit auch wieder Sitten und Gebräuche gepflegt wurden. Langsam regt sich die Natur, der Frühling naht, die feierliche, christliche Osterzeit mahnt uns; somit kam im Gesprächskreis mit Freunden auch die Erinnerung an das „Osterwasser“. Damals befand sich außerhalb des Dorfes in Richtung Freden, an der Marke, rechter Hand, dort wo die Totengasse nach Imsen führt, der sogenannte „Zigeunerplatz“. Es war ein sumpfiges, morastiges Gelände, die „Schweinesuhle“ des Gutes. Oberhalb dieses Geländes sprudelte aber aus dem „Oberen Berge“, in ein Eisenrohr gefasst, eine muntere Quelle mit viel Wasser. Sie speiste einen kleinen Kolk als Tränke für die Schaf- und Schweineherde. Diese Quelle spendete auch jedes Jahr das „Osterwasser“. Der Überlauf ging dann unter der Fredener Straße her, landete in der „Beeke“, die beim Placke kurz vor der Brücke in die Wispe fließt. Am Ostersonnabend nun, wenn es finster war oder bei hellem
Mondenscheine, pilgerten nun die „Jungfrauen“ eingehakt, zuweilen singend,
vom Treffpunkt „Schule“ zu der Quelle. Lachend und guter Dinge wurde die
Quelle erreicht. Jedes Mädchen versuchte nun seine mindestens 2 Flaschen zu
füllen; aber so einfach war das nicht, denn zeitlich voraus waren die jungen
Burschen schon da.
Am Ostersonntag wurde sich ausgiebig mit diesem „heiligen
Wasser“ im Gesicht und Händen für die Schönheit gewaschen und der Glaube
machte selig.
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| Pfingstbrauch
Als Revanche für das Osterwasser machten sich die jungen
Burschen des Dorfes dann am Pfingstsonnabend abends spät auf und brachten
heimlich und leise in den Nachtstunden ihrer Auserwählten einen „Maibaumzweig“
vor die Haustür
Als Mädchen schlief man schlecht in dieser Nacht. Welche Freude, wenn die Erwartungen in Erfüllung gingen. Schnell wurde er in ein Gefäß mit Wasser gestellt und prangte nun schön sichtbar vor der Haustür, denn wer keinen Zweig als „Jungfrau“ hatte, wurde stillschweigend im Dorf schief angesehen. Es war eine Schande, ja ein Makel. - Die Zweige wurden auch von jungen Burschen außerhalb von Wispenstein gebracht. Oft gab es auch Rivalenkämpfe der Burschen untereinander. Die „Liebesbirkenzweige“ waren schon ein riskantes Ritual. Dieses Ritual gab dann den neugierigen Pfingstspaziergängern Gesprächsstoff zum „Klatsch“. Wer hatte wohl von wem?
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Zwetschenmus Jedes Jahr im Herbst startete im Dorf die Aktion des „Zwetschenmus-Kochens“.
In meiner Jugend war ich also Abend für Abend zum „Zwetschenmusaussteinen“ versagt. Um 19.00 Uhr fand man sich mit kleiner Schale, scharfem Küchenmesser und Schürze beim Nachbarn ein, - evtl. auch kleines Eimerchen! In der Waschküche, im Kreis sitzend, wurden die Schalen gefüllt und bei munteren Gesprächen, Neuigkeiten berichtend, zuweilen mit Gesang (Volkslieder) ging die Arbeit munter fort, bis zur letzten Zwetsche alles „ausgebutscht“ war. Mit einem Kaffeeplausch als Dank
endete dann der Abend so gegen 22.00 Uhr. Jeder tappte dann im Dunkeln
heimwärts, denn Straßenleuchten gab es noch nicht.
Nun erzähle ich von mir: „Ich war bei Familie Heinrich und Frieda Lohmann – An der Schmiedebrücke – an diesem bewussten Abend. Die Frauen neckten und frotzelten: „ Na Ida, wer bekommt denn deine Steine? Wer ist der Auserwählte?“ Ich tat unschuldig, hatte aber mein kleines Eimerchen für Steine dabei, und ich hatte auch einen heimlich Auserwählten im Sinn. Ich füllte mein Eimerchen und ging brav mit den Frauen nach Hause. Als alles sicher war, kehrte ich um und marschierte ins Unterdorf, schlich am langen Bracken vorbei zum Bäckerhause hin, denn Ernst Albrecht war der Auserkorene. Leise schlich ich ans Haus, und nachdem sich die Hunde beruhigt hatten, kippte ich leise und vorsichtig am Rande des Trittsteines meine Zwetschgensauce aus und schlich von dannen. Aber – oh Schreck – mir war nicht bekannt, dass Albrechts in dieser Woche einen neuen Terrazzo-Fußboden auf ihren Flur und Trittstein bekommen hatten (vorher rote Sandsteine), (Terrazzo = Bodenbelag aus fugenlosen Gesteinbruchstücken in schwarz-weiß). Natürlich hatte die Steinsäure
den Terrazzo-Trittstein total dunkelbraun gefärbt.
(Ernst Albrecht ist im 2. Weltkrieg in Stalingrad vermisst.) |