Carsten Lemensieck

Die Dörfer Imsen und Wispenstein bilden eine Kirchengemeinde. Ihre Kirche St. Urbani liegt, umgeben von dicht an sie herangebauten Häusern,  inmitten von Imsen an der Straße von Wispenstein nach Delligsen. Sie wurde 1758 erbaut, nachdem die alte, ebenfalls dem Heiligen Urban geweihte Kirche aus vorreformatorischer Zeit baufällig geworden war und 1750 abgerissen werden musste.

Die Kirche hat einen rechteckigen Grundriss und misst außen 20,40 m Länge parallel zur Straße und 10,30 m Breite. Das Baumaterial ist Bruchstein aus Selter Dolomit. Die Gebäudekanten, die Tür- und Fensterumrahmungen bestehen aus großen Quadern. Auf den Längsseiten befinden sich je 4 Fenster. Sie sind flachbogig, die Eingangstür ist rechteckig. Die Tür an der Ostseite wurde in den 60er Jahren zugemauert. Die  Außenwände sind verputzt. Traufgesimse aus Holz, etwa 30 cm hoch, sind auch um den Westgiebel herumgeführt. Das Dach ist im Osten abgewalmt und mit grauen Pfannen gedeckt, First und Grate sind verschiefert.

Die Kirche hat keinen Turm. Am Westende über dem Giebel ist stattdessen ein achtseitiger mit Schiefer behangener Dachreiter in Fachwerk mit Holzgesims und geschweifter Haube aufgesetzt, gekrönt von  Kugel und Wetterfahne, die im Kreis den Steinbock mit den Buchstaben E. v. S. und die Jahreszahl 1758 zeigt. Am Anfallspunkt des Walmes eine fast gleiche Wetterfahne.

Eine schon etwas verwitterte Sandsteinplatte über der Eingangstür, 96 cm hoch, 2 m breit, mit reich geschmücktem Rahmen, der Ornamente aus Blattwerk und je einen Engel in den Ecken zeigt. In der Mitte befindet sich das von Steinbergsche Wappen, links daneben die Inschrift: "MATT. XI. V. 28. KOMMET HER ZU MIR ALLE DIE IHR MÜHSELIG UND BELADEN SEYD: ICH WILL EUCH ERQUICKEN, rechts des Wappens: "BEY KRIEG UND TOD BEY ANGST UND NOT SCHÜTZ DU DEIN VOLK O TREVER GOTT. TEMPORE BELLI AEDIFICATUM". Im Rahmen unten steht die Jahreszahl: "ANNO 1758". Die Inschriften deuten darauf hin, dass Imsen kriegerische Zeiten erlebt hat.


Längsschnitt durch das Kirchenschiff
die Empore ist grau schattiert


Querschnitt durch das Kirchenschiff

Das Innere der Saalkirche wird in 6,60 m Höhe durch eine hölzerne, mit Windelboden versehene verputzte Voutendecke abgeschlossen, deren Spiegel mit Stuckleisten von halbkreisförmigem Profil eingefasst und an den Ecken durch stuckiertes Muschel- und Blumenornament betont ist. An einem Stein der Chorstufe, offenbar von einem alten Grabstein herrührend, stehen die Worte "AM: WENT. FR. I. KETLER" und die Jahreszahl 1702.

Die Kirche bietet etwa 220 Personen Platz auf den Bänken im Kirchenschiff und auf den beiden Emporen (grau schattiert), die gestützt auf  solide Eichenbalken in den Raum hineinragen und über Treppen am Eingang erreicht werden können. Bis heute gehalten hat sich die Sitzordnung. Sie stammt aus dem vorigen Jahrhundert, als  Familie Sitzplätze erwerben konnte. Damals saßen die Wispensteiner unten auf der Linken Seite und auf der Empore auf der rechten Seite. Die Gläubigen aus Imsen saßen unten rechts und oben links.  

Der hölzerne Altar ist mit der Kanzel verbunden. Er stammt aus der Erbauungszeit der Kirche. Beiderseits der Kanzel befindet sich eine gewundene Säule. Die Kanzelbrüstung besteht aus einem farbigen Flachrelief: Christus trägt das Kreuz. Am Schalldeckel ein zierliches Wappen und eine weiße Taube als Symbol für den Heiligen Geist.

Auf der Empore steht das Schmuckstück der Kirche: die Orgel, erbaut von Wilhelm Schmerbach dem Mittleren im Jahre 1821. Sie wurde September 1999 bis Juni 2000 durch den Orgelbaumeister Martin Hillebrand aus Altwarmbüchen von Grund auf restauriert und am 2. Juli 2000 um 10.00 Uhr von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann feierlich eingeweiht.

Ein hölzernes, kleines bemaltes Kruzifix und zwei Leuchter aus Bronze, 28 cm hoch, auf drei Füßen, stehen auf dem Altar.


Zwei Glocken hängen im Turm. Die Glocke von 1596,  Ø 69 cm, zeigt unterhalb der Haube einen Tritonenfries, in demselben einmal das Lamm mit der Fahne im Schilde. Darunter zweizeilig die Inschrift: DOMINUS TILOMANNUS. MESSORIUS . AB . OTTHILEGEN.FAMULUS. / S. JE­SU CHRISTI. ME FIERl. FECIT . ANNO DOMINI. VIRGINEI . PORTUS' 96 .

Die zweite Glocke von 1760, Ø 75 cm, hat unterhalb der Haube einen Akanthusfries und die Inschrift:  "GOSS MICH (Engelskopf) CHRISTOPH AUGUST BECKER ZU HILDESHEIM ANNO1760". Darunter ein Kruzifix mit drei Blättern (Naturabdrücke). Auf der Gegenseite ein geflügelter Engelskopf. Beide Glocken gehören der Kirchengemeinde.  

 

 

 

Die Kirche ist mit vier Ölgemälden geschmückt:

Abendmahl

Ecce Homo 

Kreuzigung

Das Abendmahl und Ecce Homo stammen aus dem ehemaligen Betsaal in Wispenstein
ohne Foto: Die Verklärung Christi

Im Mittelgang liegt ein schon stark abgetretener Grabstein des Verwalters von Wispenstein, Johann Georg Klapperot (gest. 1742).


Quellen: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover (1929)
Paul Graff: Die Geschichte des Kreises Alfeld